Freygang: Unterschied zwischen den Versionen

Aus Parocktikum Wiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
 
(Eine dazwischenliegende Version desselben Benutzers wird nicht angezeigt)
Zeile 18: Zeile 18:
  
 
Anfang 2008 beteiligte sich die Band an der Produktion einer Tribute-CD, welche ihr Plattenlabel Buschfunk im Juni 2008 anlässlich des Gedenkkonzertes zum zehnten Todestag von Gerhard Gundermann veröffentlichte. Im Sommer 2008 ging Freygang, anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens, unter dem Motto "30 Jahre Freygang - 30 Jahre Bewegung" erneut auf Tour.
 
Anfang 2008 beteiligte sich die Band an der Produktion einer Tribute-CD, welche ihr Plattenlabel Buschfunk im Juni 2008 anlässlich des Gedenkkonzertes zum zehnten Todestag von Gerhard Gundermann veröffentlichte. Im Sommer 2008 ging Freygang, anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens, unter dem Motto "30 Jahre Freygang - 30 Jahre Bewegung" erneut auf Tour.
Am 15. Dezember 2008 starb der Bandgründer André Greiner-Pol an einem Herzinfarkt. Freygang tritt weiterhin unter dem Namen Freygang-Band auf. Am 16. Januar 2009 fand in der Berliner Kulturbrauerei ein Abschiedskonzert für André Greiner-Pol statt.
+
Am 15. Dezember 2008 starb der Bandgründer André Greiner-Pol an einem Herzinfarkt. Freygang tritt weiterhin unter dem Namen Freygang-Band auf. Am 16. Januar 2009 fand in der Berliner Kulturbrauerei ein Abschiedskonzert für André Greiner-Pol statt.<br>Mitte 2019 wurde die endgültige Auflösung der '''Freygang-Band''' bekannt gegeben, das letzte Konzert fand am 13.Juli 2019 beim Oettersdorf-Open-Air statt.
 +
 
 +
Die Band im Netz: [http://www.freygang-band.com/ www.freygang-band.com] | [https://www.koenau.de/2018/12/lautes-leben-und-ein-stiller-tod-vor.html Nachruf AGP 2018]
  
 
== Besetzung(en) ==
 
== Besetzung(en) ==

Aktuelle Version vom 12. November 2019, 19:23 Uhr

Berliner Band, gegründet 1977.

Freygang wurde 1977 von André Greiner-Pol (* 12. Mai 1952 in Berlin; † 15. Dezember 2008; kurz AGP) als Bluesrock-Band in Ost-Berlin gegründet und entwickelte sich in den 1980er Jahren zu einer der wichtigsten Bands der DDR-Untergrundbewegung. Freygang ist eine unbequeme Band geblieben und versteht sich heute, wie damals in der DDR, als Teil des politischen und sozialen Untergrunds, bringt dies deutlich in ihren Texten zum Ausdruck und engagiert sich in verschieden Projekten (unter anderem Wydoks, Besetzung des Eimers in Berlin und Halt's Maul Deutschland).

Die Anfänge der Band fallen in eine Zeit, als die Blues-Euphorie in der DDR ihren Höhepunkt erreichte. Die Band erspielte sich einen Spitzenplatz in der Blueser-Szene und behielt bis 1989 ihren Amateurstatus bei. Unter dem Motto: "Der Blues muss bewaffnet sein, sonst glaubt dir kein Schwein" begann AGP, inspiriert von Rio Reiser, Anfang der 1980er Jahre systemkritische Texte zu schreiben. Die Folge war ein einjähriges Auftrittsverbot.

Unbeirrt machte die Band nach der Zwangspause weiter, trat bei den Bluesmessen in Ost-Berlin auf und erspielte sich mit ihren deutschsprachigen, schnörkellosen Texten (etwa in "Bürokratie", "Schwätzer" und "Haste was, biste was") und wegen ihrer Nähe zum Publikum deren Gunst, während die Distanz zu den anderen Bands der Szene wuchs und Freygang unter den Musikern als die schrägen Vögel der Szene galten. Gleichzeitig änderte sich auch der musikalische Stil der Band. Freygang orientierte sich zunehmend an der westdeutschen Band Ton Steine Scherben. Coverversionen wie "Ich bin ein Mörder" und "Ich will nicht werden was mein Alter ist" entstanden und sind noch heute Bestandteil im Programm der Band. 1983, bevor Freygang erneut einen auf zwei Jahre befristeten Entzug der Auftrittslizenz durch die DDR-Behörden erfuhr, fand in Ketzin ein Konzert vor über 7000 Zuschauern statt, von dem ein Mitschnitt 1998 auf CD veröffentlicht wurde.

Trotz des erneuten Verbots hatte die Band ihre Popularität nicht eingebüßt. Zu einem der ersten Konzerte nach der Wiederzulassung im Jahr 1985 in der Leipziger Kongresshalle kamen etwa 3000 Fans. Doch schon ein Jahr später wurden die Bandmitglieder während eines Open-Air-Konzertes in der Nähe von Dresden auf der Bühne verhaftet und erhielten ein Auftrittsverbot auf Lebenszeit. Von 1986 bis 1989 traten einzelne Bandmitglieder, um das Auftrittsverbot zu umgehen, teilweise unter Verwendung von Pseudonymen in verschiedenen Projekten (André und die Raketen) und Bands (Pasch) auf. 1988 gastierte Freygang unter dem Namen "OK" an der Erdgastrasse Freundschaft in der Sowjetunion.

Seit 1989 ist Freygang wieder als Band aktiv. Aus dem Blues wurde harter Rock und softiger Punkrock. Anfang 1990 beteiligte sich Freygang gemeinsam mit den Bands Die Firma und Ichfunktion an den Hausbesetzungen zur Rettung des "Eimers" und Gründung des alternativen Kunsthauses "Tacheles" in Berlin sowie weiteren politischen und sozialen Aktionen. Gemeinsam mit Feeling B und Die Firma wurde im April 1990 die Autonome Aktion "Wydoks" gegründet, die am 6. Mai 1990 zur Kommunalwahl in Ost-Berlin antrat, aber erfolglos blieb. Innerhalb von drei Tagen und drei Nächten nahmen Freygang, Ichfunktion und Die Firma mit Unterstützung der Punkband Herbst in Peking im Mai 1990 die letzte Langspielplatte der DDR auf.

Am 3. Oktober 1990 trat die Band unter dem Motto "Halt's Maul Deutschland" auf dem Berliner Alexanderplatz auf. Die Veranstaltung wurde von der Polizei gewaltsam aufgelöst. Im Anschluss an die Record-Release-Tour "Wenn der Wind sich dreht" gab die Band in Italien ein Gastspiel. Im April 1993 nahm Freygang im Berliner Knaack-Klub ein Live-Album auf und ging anschließend erneut auf Tournee. Im Sommer 1994 organisierte die Band in Hohenlobbese bei Wiesenburg/Mark erstmals ein Bikertreffen, welches bis heute alljährlich stattfindet und zu einem bekannten Open-Air-Festival in Ostdeutschland geworden ist. 1996 ging AGP ins Studio, bearbeitete Aufnahmen aus den 1980er Jahren digital und veröffentlichte sie auf der CD "Steil & geil". Ende der 1990er Jahre, als viele Hausbesetzer zu Hausbesitzern geworden waren und zahlreiche alternative Kunstprojekte von einst zunehmend dem Kommerz unterlegen waren, wurde es ruhiger um die Band.

Von 2000 bis 2008 spielte Freygang in unveränderter Besetzung. 2000 erschien im Berliner Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf die Freygang-Biografie mit einem Vorwort von Michael Rauhut, in dem dieser Einblicke und Hintergründe zur Szene vermittelt. In "Peitschen. Osten. Liebe" erzählt Pol in über 100 Kurzgeschichten die damals 22-jährige Geschichte von Freygang. Das vergriffene Buch gilt als Geheimtipp bei Insidern, Fans und anderen an DDR-Rockmusik Interessierten [8]. Mit "Berlinverbot", einem Konzertmitschnitt aus dem Jahr 1985, präsentierte die Band ein weiteres Mal erfolgreich ihre früheren Titel, an deren Veröffentlichung in der DDR nicht zu denken war.

Mit dem gemeinsamen Auftritt mit Ton Steine Scherben am 14. Januar 2005 in der Berliner Ufa-Fabrik kam es zu einem weiteren Höhepunkt in der Freygang-Geschichte. Ein Jahr später gab die Band in Schottland und England erfolgreich acht Konzerte. Freygang machte 2007 vor der US-amerikanischen Botschaft in Berlin durch ein Protestkonzert für den zum Tode verurteilten Mumia Abu-Jamal erneut auf sich aufmerksam. 2007 fand in Packebusch in der Altmark das Jubiläumskonzert zum 30-jährigen Bestehen Freygangs statt.

Anfang 2008 beteiligte sich die Band an der Produktion einer Tribute-CD, welche ihr Plattenlabel Buschfunk im Juni 2008 anlässlich des Gedenkkonzertes zum zehnten Todestag von Gerhard Gundermann veröffentlichte. Im Sommer 2008 ging Freygang, anlässlich ihres 30-jährigen Bestehens, unter dem Motto "30 Jahre Freygang - 30 Jahre Bewegung" erneut auf Tour. Am 15. Dezember 2008 starb der Bandgründer André Greiner-Pol an einem Herzinfarkt. Freygang tritt weiterhin unter dem Namen Freygang-Band auf. Am 16. Januar 2009 fand in der Berliner Kulturbrauerei ein Abschiedskonzert für André Greiner-Pol statt.
Mitte 2019 wurde die endgültige Auflösung der Freygang-Band bekannt gegeben, das letzte Konzert fand am 13.Juli 2019 beim Oettersdorf-Open-Air statt.

Die Band im Netz: www.freygang-band.com | Nachruf AGP 2018

Besetzung(en)

Urbesetzung

  • Andre Greiner-Pol (* 12. Mai 1952 in Berlin; † 15.12.2008) - Gesang, Geige, Gitarre, Lyra, Posaune
  • Joster - Gitarre
  • Jens Saleh - Bass
  • Klaus Peter Talmann - Schlagzeug

spätere Mitglieder + Gäste

Veröffentlichungen

Bandgeschichte