Peking Records: Unterschied zwischen den Versionen

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Trotz (oder sogar gerade wegen) der liebenswerten Unprofessionalität seiner Macher, gepaart mit öffentlichkeitswirksamen Größenwahn war und blieb die Geschäftsgründung der Berliner Subkultur-Legende '''[[Herbst in Peking]]''' das bis heute bekannteste Label der ''"anderen bands"''. Sein überschaubarer Katalog repräsentiert mit seiner Mischung aus Kult-Platten und geschäftlich suizidalen No-Names wohl am besten die chaotische Auf- und Umbruchszeit zwischen ungläubig herbeigesehnter Währungsunion und stufenweiser Selbstauflösung der DDR.
Trotz (oder sogar gerade wegen) der liebenswerten Unprofessionalität seiner Macher, gepaart mit öffentlichkeitswirksamen Größenwahn war und blieb die Geschäftsgründung der Berliner Subkultur-Legende '''[[Herbst in Peking]]''' das bis heute bekannteste Label der ''"anderen bands"''. Sein überschaubarer Katalog repräsentiert mit seiner Mischung aus Kult-Platten und geschäftlich suizidalen No-Names wohl am besten die chaotische Auf- und Umbruchszeit zwischen ungläubig herbeigesehnter Währungsunion und stufenweiser Selbstauflösung der DDR.


Beinahe zeitgleich gegründet mit dem ''[[KPM / K&P Music|KPM]]'' Label der ex-"Staatsrocker" Toni Krahl und Fritz Puppel ('''City''') gewann ''Peking Records'' im März (Mai?) 1990 den Wettbewerb um den ersten legal auf dem Gebiet der DDR unabhängig produzierten und erhältlichen Tonträger, die '''Herbst in Peking''' Debüt-Single ''"Bakschischrepublik"''. Das wirtschaftsrechtliche Vakuum in Ostdeutschland im Frühjahr 1990 zwang ''Peking Records'' noch, für die ersten beiden Singles auf Labelcodes von West-Firmen zurückzugreifen. Die dritte Single von '''[[Die Art]]''' wurde dafür sogar im Presswerk des noch bestehenden ''VEB Deutsche Schallplatten'' hergestellt! ''Peking Records'' bestand zu diesem Zeitpunkt neben Labelchef Rainer Kwasi ausschließlich aus Musikern von '''HiP''' und weiteren Bekannten. Auf Basis derartiger personeller Verflechtungen entstanden alle weiteren Produkte des Labels (einen Vertrag für ihr Debütalbum schloss '''Herbst in Peking''' aber über das Osnabrücker Mini-Label ''Happy Valley Records'' ausgerechnet mit der Ost-Berliner Independent-Konkurrenz ''KPM'').   
Beinahe zeitgleich gegründet mit dem ''[[KPM / K&P Music|KPM]]'' Label der ex-"Staatsrocker" Toni Krahl und Fritz Puppel ('''City''') gewann ''Peking Records'' im März (Mai?) 1990 den Wettbewerb um den ersten legal auf dem Gebiet der DDR unabhängig produzierten und erhältlichen Tonträger, die '''Herbst in Peking''' Debüt-Single ''"Bakschischrepublik"''. Das wirtschaftsrechtliche Vakuum in Ostdeutschland im Frühjahr 1990 zwang ''Peking Records'' noch, für die ersten Veröffentlichungen auf Labelcodes von West-Firmen zurückzugreifen (LC 8255 = ''Magic Toe Nail Records'', Westberlin / LC 7896 = ''Happy Valley Records'', Osnabrück). Die Single von '''[[Die Art]]''' wurde im Presswerk des noch bestehenden [[DSB|''VEB Deutsche Schallplatten'']] hergestellt. ''Peking Records'' bestand zu diesem Zeitpunkt neben Labelchef Rainer Kwasi ausschließlich aus Musikern von '''HiP''' und weiteren Bekannten. Auf Basis derartiger personeller Verflechtungen entstanden alle Produkte des Labels, einen Vertrag für ihr eigenes Debütalbum schloss '''Herbst in Peking''' aber (wiederum über ''Happy Valley Records'') ausgerechnet mit der Ost-Berliner Konkurrenz ''KPM''.   


Trotz überregionaler Bekanntheit der Singles von '''HiP''' und '''[[Die Art]]''' waren jedoch offensichtlich keine nennenswerten Gewinne zu erwirtschaften, letztere entwickelte sich gar zum Flop weil sich erst nach Erscheinen des Debütalbums der Leipziger Düster-Rocker (''"Fear"'' auf ''[[Z / Zong Records|Z Records]]'') mit ''SPV'' ein überregionaler Vertrieb für die ''Peking Records'' Produkte fand. Das wenige eingenommene Geld zehrten eine erfolglose EP der unbekannten Westberliner Combo '''No Immediate Threat''' und die aufwändige Produktion der Live-Compilation ''"Die letzten Tage von Pompeji"'' rasch wieder auf. Mangels finanzieller Mittel beschränkte sich das Label schließlich beim relativ erfolgreichen ''"Systemausfall"'' Sampler auf A&R Tätigkeit, sozusagen als Schnittstelle zur Szene, die westdeutschen Plattenfirmen auch im Herbst 1990 noch weitgehend unzugänglich war, die Gewinne blieben hierdurch jedoch beim Vertriebspartner ''SPV''.  
Trotz überregionaler Bekanntheit der Singles von '''HiP''' und '''[[Die Art]]''' waren jedoch offensichtlich keine nennenswerten Gewinne zu erwirtschaften, letztere entwickelte sich gar zum Flop weil sich erst nach Erscheinen des Debütalbums der Leipziger Düster-Rocker (''"Fear"'' auf ''[[Z / Zong Records|Z Records]]'') mit ''SPV'' (Hannover) ein überregionaler Vertrieb für die ''Peking Records'' Produkte fand. Das wenige eingenommene Geld zehrten die erfolglose EP der unbekannten Westberliner Synthie-Combo '''No Immediate Threat''' und die aufwändige Produktion der Live-Compilation ''"Die letzten Tage von Pompeji"'' wieder auf. Mangels finanzieller Mittel beschränkte sich das Label schließlich beim relativ erfolgreichen ''"Systemausfall"'' Sampler auf A&R Tätigkeit, sozusagen als Schnittstelle zur Szene, die westdeutschen Plattenfirmen auch im Herbst 1990 noch weitgehend unzugänglich war, die Gewinne blieben hierdurch jedoch beim Labelpartner ''SPV''. Das ebenfalls mit ''SPV'' geplante erste Album des zwischenzeitlichen '''HiP''' Keyboarders [[Frank Tröger|"Trötsch" Tröger]] wurde nur noch auf Kassette veröffentlicht, eine LP der in Berlin ansässigen italienischen Band '''Quartered Shadows''' blieb unproduziert. ''Peking Records'' existierte auf dem Papier noch zwei Jahre weiter bevor die Band mit ''Stay Hip Records'' ein neues eigenes Label gründete.
 
Das erste Album des zwischenzeitlichen '''HiP''' Keyboarders [[Frank Tröger|"Trötsch" Tröger]] wurde nur noch auf Kassette veröffentlicht, eine LP der in Berlin ansässigen italienischen Band '''Quartered Shadows''' blieb unproduziert. ''Peking Records'' existierte auf dem Papier noch zwei Jahre weiter bevor die Band mit ''Stay Hip Records'' ein neues eigenes Label gründete.


Seit 2011 existiert wieder eine Internet-Präsenz mit dem Namen [http://www.pekingrecords.com/ Peking Records] als ''"Plattform zur Veröffentlichung der Musik von Herbst in Peking und aller parallelen Projekte"'', die aktuelle CD der Band erschien aber, wie fast alle Projekte von Joswig & Co seit 1996, beim Pretziener Indie-Label ''[[Moloko Plus]]''.
Seit 2011 existiert wieder eine Internet-Präsenz mit dem Namen [http://www.pekingrecords.com/ Peking Records] als ''"Plattform zur Veröffentlichung der Musik von Herbst in Peking und aller parallelen Projekte"'', die aktuelle CD der Band erschien aber, wie fast alle Projekte von Joswig & Co seit 1996, beim Pretziener Indie-Label ''[[Moloko Plus]]''.
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== Diskografie ==
== Diskografie ==
* PEP 00190: '''[[Herbst in Peking]]''' - Bakschischrepublik b/w Immortality (7", 1990)
* PEP 00190: '''[[Herbst in Peking]]''' - Bakschischrepublik b/w Immortality (7", 1990)
* ohne Nr.: '''No Immediate Threat''' - Die Rückkehr der gehirngestörten Grobmechaniker (7"EP, 1990)
* PRP 00390: '''[[Die Art]]''' - (I love you) Marian b/w Das Schiff (7", 1990)
* PRP 00390: '''[[Die Art]]''' - (I love you) Marian b/w Das Schiff (7", 1990)
* PRP 00490: ''[[Sampler - Die letzten Tage von Pompeji|"Die letzten Tage von Pompeji"]]'' (LP Compilation, 1990)
* PRP 00490: ''[[Sampler - Die letzten Tage von Pompeji|"Die letzten Tage von Pompeji"]]'' (LP Compilation, 1990)
* '''No Immediate Threat''' - Die Rückkehr der gehirngestörten Grobmechaniker (7"EP, 1990)
* ''[[Sampler - Systemausfall|"Systemausfall"]]'' (LP Compilation, 1990)  
* ''[[Sampler - Systemausfall|"Systemausfall"]]'' (LP Compilation, 1990)  
* '''[[Trötsch|Frank "Trötsch" Tröger]]''' - [[Trötsch - Le Petit Orkos|Le Petit Orkos]] (Tape, 1991)
* '''[[Trötsch|Frank "Trötsch" Tröger]]''' - [[Trötsch - Le Petit Orkos|Le Petit Orkos]] (Tape, 1991)

Aktuelle Version vom 25. April 2026, 10:24 Uhr

"Erstes" unabhängiges Label in der DDR, 1990 (bis 1991?) / Relaunch 2011.

Trotz (oder sogar gerade wegen) der liebenswerten Unprofessionalität seiner Macher, gepaart mit öffentlichkeitswirksamen Größenwahn war und blieb die Geschäftsgründung der Berliner Subkultur-Legende Herbst in Peking das bis heute bekannteste Label der "anderen bands". Sein überschaubarer Katalog repräsentiert mit seiner Mischung aus Kult-Platten und geschäftlich suizidalen No-Names wohl am besten die chaotische Auf- und Umbruchszeit zwischen ungläubig herbeigesehnter Währungsunion und stufenweiser Selbstauflösung der DDR.

Beinahe zeitgleich gegründet mit dem KPM Label der ex-"Staatsrocker" Toni Krahl und Fritz Puppel (City) gewann Peking Records im März (Mai?) 1990 den Wettbewerb um den ersten legal auf dem Gebiet der DDR unabhängig produzierten und erhältlichen Tonträger, die Herbst in Peking Debüt-Single "Bakschischrepublik". Das wirtschaftsrechtliche Vakuum in Ostdeutschland im Frühjahr 1990 zwang Peking Records noch, für die ersten Veröffentlichungen auf Labelcodes von West-Firmen zurückzugreifen (LC 8255 = Magic Toe Nail Records, Westberlin / LC 7896 = Happy Valley Records, Osnabrück). Die Single von Die Art wurde im Presswerk des noch bestehenden VEB Deutsche Schallplatten hergestellt. Peking Records bestand zu diesem Zeitpunkt neben Labelchef Rainer Kwasi ausschließlich aus Musikern von HiP und weiteren Bekannten. Auf Basis derartiger personeller Verflechtungen entstanden alle Produkte des Labels, einen Vertrag für ihr eigenes Debütalbum schloss Herbst in Peking aber (wiederum über Happy Valley Records) ausgerechnet mit der Ost-Berliner Konkurrenz KPM.

Trotz überregionaler Bekanntheit der Singles von HiP und Die Art waren jedoch offensichtlich keine nennenswerten Gewinne zu erwirtschaften, letztere entwickelte sich gar zum Flop weil sich erst nach Erscheinen des Debütalbums der Leipziger Düster-Rocker ("Fear" auf Z Records) mit SPV (Hannover) ein überregionaler Vertrieb für die Peking Records Produkte fand. Das wenige eingenommene Geld zehrten die erfolglose EP der unbekannten Westberliner Synthie-Combo No Immediate Threat und die aufwändige Produktion der Live-Compilation "Die letzten Tage von Pompeji" wieder auf. Mangels finanzieller Mittel beschränkte sich das Label schließlich beim relativ erfolgreichen "Systemausfall" Sampler auf A&R Tätigkeit, sozusagen als Schnittstelle zur Szene, die westdeutschen Plattenfirmen auch im Herbst 1990 noch weitgehend unzugänglich war, die Gewinne blieben hierdurch jedoch beim Labelpartner SPV. Das ebenfalls mit SPV geplante erste Album des zwischenzeitlichen HiP Keyboarders "Trötsch" Tröger wurde nur noch auf Kassette veröffentlicht, eine LP der in Berlin ansässigen italienischen Band Quartered Shadows blieb unproduziert. Peking Records existierte auf dem Papier noch zwei Jahre weiter bevor die Band mit Stay Hip Records ein neues eigenes Label gründete.

Seit 2011 existiert wieder eine Internet-Präsenz mit dem Namen Peking Records als "Plattform zur Veröffentlichung der Musik von Herbst in Peking und aller parallelen Projekte", die aktuelle CD der Band erschien aber, wie fast alle Projekte von Joswig & Co seit 1996, beim Pretziener Indie-Label Moloko Plus.

Diskografie

Quelle: NMI 2/1990 + NMI/Messitsch 2/1991 + NMI/Messitsch 5/1992