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Verbindung von Punk mit avantgardistisch-literarischen Texten, u.a. von den Szene-Dichtern [http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_D%C3%B6ring_(Autor) Stefan Döring] und [[Bert Papenfuß-Gorek]], aber auch "Klassikern" wie Bertolt Brecht oder Erich Kästner. Eine Ur-Version der Band agierte schon ab 1979 (!) unter dem Namen '''[[Der Schwarze Kanal (Berlin)|Der Schwarze Kanal]]''' (Spalda + Jestram zusammen mit den Sängerinnen Cerstin Gorek und Anette Schuster). Bert Papenfuß versuchte sich dabei kurzzeitig auch als Gitarrist, gab das aber schnell wieder auf. Die provokante Bezeichnung mit Bezug zur gleichnamigen, seit 1960 ausgestrahlten  [https://de.wikipedia.org/wiki/Der_schwarze_Kanal Propaganda-Sendung] des DDR-Fernsehens entsprach eher Papenfuß' Intention, Spalda bevorzugte für die von ihm angestrebte Formation in klassischer Rockband-Attitüde mit '''Rosa Extra''' einen punk-affineren Skandal: es handelte sich dabei um einen DDR-Markenname für Damenhygieneartikel.<br>Im Januar 1983 nahmen Spalda und Jestram als damalige "Rumpfbesetzung" im [[Mustangstudio]] in der Nähe von Dresden einige Titel für den von Sascha Anderson mit Partnern in West-Berlin geplanten ''[[Sampler - eNDe / DDR von unten|"DDR von unten"]]'' Sampler auf, nach Strafandrohung durch die DDR Staats-Sicherheit zog Spalda seinen Beitrag aber wieder zurück.
Verbindung von Punk mit avantgardistisch-literarischen Texten, u.a. von den Szene-Dichtern [http://de.wikipedia.org/wiki/Stefan_D%C3%B6ring_(Autor) Stefan Döring] und [[Bert Papenfuß-Gorek]], aber auch "Klassikern" wie Bertolt Brecht oder Erich Kästner. Eine Ur-Version der Band agierte schon ab 1979 (!) unter dem Namen '''[[Der Schwarze Kanal (Berlin)|Der Schwarze Kanal]]''' (Spalda + Jestram zusammen mit den Sängerinnen Cerstin Gorek und Anette Schuster). Bert Papenfuß versuchte sich dabei kurzzeitig auch als Gitarrist, gab das aber schnell wieder auf. Die provokante Bezeichnung mit Bezug zur gleichnamigen, seit 1960 ausgestrahlten  [https://de.wikipedia.org/wiki/Der_schwarze_Kanal Propaganda-Sendung] des DDR-Fernsehens entsprach eher Papenfuß' Intention, Spalda bevorzugte für die von ihm angestrebte Formation in klassischer Rockband-Attitüde mit '''Rosa Extra''' einen punk-affineren Skandal: es handelte sich dabei um einen DDR-Markenname für Damenhygieneartikel.<br>Im Januar 1983 nahmen Spalda und Jestram als damalige "Rumpfbesetzung" im [[Mustangstudio]] in der Nähe von Dresden einige Titel für den von Sascha Anderson mit Partnern in West-Berlin geplanten ''[[Sampler - eNDe / DDR von unten|"DDR von unten"]]'' Sampler auf, nach Strafandrohung durch die DDR Staats-Sicherheit zog Spalda seinen Beitrag aber wieder zurück.


Mitte 1984 benannte Spalda als zähneknirschenden Tribut seine Band an die durch eine [[:Category:Einstufung|Einstufung]] (April 1984) zu erreichende offizielle Auftrittsgenehmigung in '''[[Hard Pop]]''' um. Zum neuen Line-Up gehörten neben Spalda aus der u.g. Besetzung auch Hachtmann, Lepsch und kurzzeitig Thorsten Philipp. Er musste aber nach wenigen Auftritten mit '''Hard Pop''' wegen seinem bereits laufenden Ausreiseantrag die Band verlassen. <br>Jestram, Kriening und Lippok, denen die Umbenennung als Zugeständnis an den Staat zudem suspekt war, konzentrierten sich auf die von ihnen schon seit 1983 betriebenen Bands '''[[Aufruhr zur Liebe]]''' und '''[[Ornament & Verbrechen]]'''. Kriening trommelte außerdem zunächst bei '''[[Feeling B]]''' (bis 1984, sowie 1988 auf der LP ''[[Sampler - Kleeblatt Nr.23 / die anderen bands|"Kleeblatt Nr.23 / die anderen bands"]]''), bevor er 1988 die DDR verließ.
Mitte 1984 benannte Spalda als zähneknirschenden Tribut seine Band an die durch eine [[:Category:Einstufung|Einstufung]] (April 1984) zu erreichende offizielle Auftrittsgenehmigung in '''[[Hard Pop]]''' um. Zum neuen Line-Up gehörten neben Spalda aus der u.g. Besetzung auch Hachtmann, Lepsch und kurzzeitig Thorsten Philipp. Dieser musste aber nach wenigen Auftritten mit '''Hard Pop''' wegen seinem bereits laufenden Ausreiseantrag die Band verlassen. <br>Jestram, Kriening und Lippok, denen die Umbenennung als Zugeständnis an den Staat zudem suspekt war, konzentrierten sich auf die von ihnen schon seit 1983 betriebenen Bands '''[[Aufruhr zur Liebe]]''' und '''[[Ornament & Verbrechen]]'''. Kriening trommelte außerdem zunächst bei '''[[Feeling B]]''' (bis 1984, sowie 1988 auf der LP ''[[Sampler - Kleeblatt Nr.23 / die anderen bands|"Kleeblatt Nr.23 / die anderen bands"]]''), bevor er 1988 die DDR verließ.


''Quellen: [[Ronald Galenza|Galenza]] / [[Heinz Havemeister|Havemeister]] 1999 | [[Michael Boehlke|Boehlke]] / [[Henryk Gericke|Gericke]]: "too much future - Punk in der DDR" (Ausstellungskatalog, 2. Auflage, SUBstitut / Verbrecher Verlag 2007) | [[Sampler - Too much future|"Too much future"]] (Compilation-Booklet 2020)''
''Quellen: [[Ronald Galenza|Galenza]] / [[Heinz Havemeister|Havemeister]] 1999 | [[Michael Boehlke|Boehlke]] / [[Henryk Gericke|Gericke]]: "too much future - Punk in der DDR" (Ausstellungskatalog, 2. Auflage, SUBstitut / Verbrecher Verlag 2007) | [[Sampler - Too much future|"Too much future"]] (Compilation-Booklet 2020)''
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Aktuelle Version vom 13. Januar 2026, 13:16 Uhr

Berliner Art-Punk-Band, 1981 bis 1984.

Verbindung von Punk mit avantgardistisch-literarischen Texten, u.a. von den Szene-Dichtern Stefan Döring und Bert Papenfuß-Gorek, aber auch "Klassikern" wie Bertolt Brecht oder Erich Kästner. Eine Ur-Version der Band agierte schon ab 1979 (!) unter dem Namen Der Schwarze Kanal (Spalda + Jestram zusammen mit den Sängerinnen Cerstin Gorek und Anette Schuster). Bert Papenfuß versuchte sich dabei kurzzeitig auch als Gitarrist, gab das aber schnell wieder auf. Die provokante Bezeichnung mit Bezug zur gleichnamigen, seit 1960 ausgestrahlten Propaganda-Sendung des DDR-Fernsehens entsprach eher Papenfuß' Intention, Spalda bevorzugte für die von ihm angestrebte Formation in klassischer Rockband-Attitüde mit Rosa Extra einen punk-affineren Skandal: es handelte sich dabei um einen DDR-Markenname für Damenhygieneartikel.
Im Januar 1983 nahmen Spalda und Jestram als damalige "Rumpfbesetzung" im Mustangstudio in der Nähe von Dresden einige Titel für den von Sascha Anderson mit Partnern in West-Berlin geplanten "DDR von unten" Sampler auf, nach Strafandrohung durch die DDR Staats-Sicherheit zog Spalda seinen Beitrag aber wieder zurück.

Mitte 1984 benannte Spalda als zähneknirschenden Tribut seine Band an die durch eine Einstufung (April 1984) zu erreichende offizielle Auftrittsgenehmigung in Hard Pop um. Zum neuen Line-Up gehörten neben Spalda aus der u.g. Besetzung auch Hachtmann, Lepsch und kurzzeitig Thorsten Philipp. Dieser musste aber nach wenigen Auftritten mit Hard Pop wegen seinem bereits laufenden Ausreiseantrag die Band verlassen.
Jestram, Kriening und Lippok, denen die Umbenennung als Zugeständnis an den Staat zudem suspekt war, konzentrierten sich auf die von ihnen schon seit 1983 betriebenen Bands Aufruhr zur Liebe und Ornament & Verbrechen. Kriening trommelte außerdem zunächst bei Feeling B (bis 1984, sowie 1988 auf der LP "Kleeblatt Nr.23 / die anderen bands"), bevor er 1988 die DDR verließ.

Quellen: Galenza / Havemeister 1999 | Boehlke / Gericke: "too much future - Punk in der DDR" (Ausstellungskatalog, 2. Auflage, SUBstitut / Verbrecher Verlag 2007) | "Too much future" (Compilation-Booklet 2020)

Besetzung

  • Günther Spalda - voc, g, bg, dr
  • Uwe Jellinek - voc (bis 1983, † 2023) / Thorsten Philipp - voc (1984)
  • Bernd Jestram - g, bg, voc (bis 1983) / Stephan Hachtmann - g
  • Anette Schuster - keyb / Volker Zimmermann - keyb
  • Sven Rose - dr, voc / Alexander Kriening - dr (Skunks) / Ronald Lippok - dr, voc / Jussuf Kremke - dr
  • Ralf Lepsch - sax

Musik

Der Schwarze Kanal

Rosa Extra

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