Hinterhofproduction: Unterschied zwischen den Versionen

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K
 
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Musik- und Filmproduktion in Jena seit ca. 1985.
Musik- und Filmproduktion in Jena, ca. 1975 bis 2010, zwischen 1985 und 1990 auch Kassetten-Label.


* A&R: [[Thomas "Kaktus" Grund]]
Der Initiator der ''Hinterhofproduction'', Thomas Grund genannt "Kaktus" (*1953 in Jena) kam Anfang der 1970er Jahre als Mitarbeiter zur JG (= Junge Gemeinde) Jena-Stadtmitte. Neben Jugendlichen, die sich dort zum Musikhören trafen, gab es auch eine Band namens '''[[Peaceful Dead]]''', von der 1971 ein Live-Mitschnitt angefertigt wurde. Als sich Kaktus zunächst um eine Vervielfältigung der Aufnahmen kümmern wollte, war die Band plötzlich aufgelöst, weil deren Frontmann [[Michael Brose|Michael Steinhorst]] verhaftet und verurteilt worden war. Nach seiner Haftentlassung betätigte dieser sich unter dem Namen '''Pastor''' als Liedermacher und Aufnahmen seiner Songs gehörten zu den ersten, die Kaktus innerhalb seiner JG-Tätigkeit technisch realisierte. <br>Die JG gehörte zum Kreis der in Thüringen begründeten "Offenen Arbeit", einem Konzept, das Kirchen als Orte der Zusammenkunft und des Austauschs auch für nichtreligiöse, oft marginalisierte und staatlichen Repressionen ausgesetzte Personen mit alternativen Lebensentwürfen eröffnete. Wichtige Großereignisse waren z.B. die Jugendveranstaltungen "JUNE 78" und "JUNE 79" in Rudolstadt, nach denen allerdings die Aktivitäten der "Offenen Arbeit" auf Betreiben der DDR-Staatssicherheit und im Einvernehmen mit der Thüringer Kirchenleitung wieder stark eingeschränkt wurden. Im Zuge dieser Entwicklungen wurde auch Kaktus 1976 zu einer Tätigkeit als IM (= Informeller Mitarbeiter) der Stasi gedrängt, aus der er sich aber nach Dekonspiration bis 1982 mit Hilfe von Kirchenverantwortlichen wieder lösen konnte. 1981 begann er eine Ausbildung zum Jugenddiakon, von 1982 bis 1991 war er als Kirchensteuerkassierer im Kirchenkreis Jena tätig. Eine finanzielle Unterstützung, die ihm für diese Tätigkeit aus Westberlin gewährt wurde, sorgte für regelmäßige technische Verbesserungen des HP-"Studios".
* Adresse: Hinterhofproduction im "Kassablanca", 6900 Jena, Villengang 2a


== Die Geschichte ==
Erst 1983 entstand mit '''[[Airtramp]]''' wieder eine Band intentional alternativer Jugendkultur in Jena, zu deren Unterstützung Kaktus nun von Anfang an tätig wurde. 1984 entstanden in den Räumen der JG Aufnahmen mit dem dazu von Kaktus organisierten Equipment, ab 1985 wurden deren Ergebnisse als erste Kassetten mit dem Label ''Hinterhofproduction'' in Umlauf gebracht. Als sich die vor Ort geschaffenen Möglichkeiten herumsprachen, kamen Bands und Musiker aus anderen Thüringer Städten, aber auch aus Berlin nach Jena. Die DIY-Produktion und ihr Vertrieb nahm in kurzer Zeit überregionale Dimensionen an und verschaffte der ''Hinterhofproduction'' DDR-weite Wahrnehmung. Die meisten Tapes wurden von Kaktus selbst in Jena produziert, '''[[Antitrott]]''' brachten dagegen bereits fertige Aufnahmen aus Berlin mit. Im Mai 1987 debütierte mit '''[[Gefahrenzone]]''' auch im "Parocktikum" eine der HP-Bands und erfuhr positive Hörerresonanz. Die HP-Tapes wurden per Brief-Mailorder unter die Leute gebracht, aber auch von Kaktus persönlich per "Bauchladen" auf kirchlichen Events verkauft.<br>Die Produktion von Kassetten wurde nach 1990 weitestgehend eingestellt, da den Bands nun andere Medien zur Verfügung standen, auch von der "Werkstattserie" ist bisher nur ein Tape belegt. Dafür wurde von Kaktus' ''Hinterhofproduction'' die Konzeption und Herstellung von Filmen unterschiedlichster Formate zum Thema Jugend(sub)kulturen ausgebaut und professionalisiert, eine Übersicht dazu (Stand 2010) ist [[Hinterhofproduction - Die Geschichte|hier]] nachlesbar.
Was oder wer zum Teufel ist Hinterhofproduction?


An irgendeinem Abend im Frühjahr 1970  saß ich wie üblich mit ein paar Freunden im „Grünen Kranz“, einer üblen Kaschemme in Jena, Bier gab es reichlich und wir laberten wie üblich über unsere Lieblingsbands und wo in Jena vielleicht irgendwann mal wieder irgendwas abgehen könnte. Einer der Kumpel erzählte: „In der Johannisstraße im Hinterhof gibt es so einen Laden von der Kirche. An der Wand hängt ein Spruch: Säkularisation: Die Kirche hat einen guten Magen, trotzdem sollte man ihn von Zeit zu Zeit auspumpen. So kirchlich sind die also gar nicht. Da sitzen auch immer ein Haufen Bräute rum und´n  Kasten Bier steht in der Mitte!“ Also landete ich in der „Offenen Arbeit“ der JG „Stadtmitte“ in Jena 1971.
Damalige Adresse: Hinterhofproduction im [[Kassablanca|"Kassablanca"]], 6900 Jena, Villengang 2a


Es hatte da auch eine Band namens '''[[Peaceful Dead]]'''. Deren Konzerte hätte ich gerne auf Band mitgeschnitten, doch fehlte mir dazu das Tonband. Irgendwer schnitt im September 71 ein Konzert mit und als ich mir die Aufnahmen kopieren wollte, ich hatte 1974 endlich ein Monotonband „ZK 120“ aus Polen ergattert, mußte ich feststellen, daß die Aufnahmen verschwunden waren. Später stellte sich heraus, daß der Kumpel das Band abgeliefert hatte – beim MfS natürlich. Der Motor der Band genannt [[Michael Brose|"Pastor"]] landete im Knast wegen „Arbeitsbummelei“ denn dieser „Assi“-Paragraph des Strafgesetzbuches wurde erst 1978 abgeschafft.  Eine neue Band entstand in der „Offenen Arbeit“ erst wieder 1983 und die hieß '''[[Airtramp]]'''.  Papa Staat war in den Jahren auch nicht untätig geblieben und hatte Jugendclubs geschaffen, schließlich wollte man ja die Jugendkultur nicht nur dem Klassenfeind überlassen. '''Airtramp''' bauten sich den feuchten, muffigen aber gemütlichen Kohlenkeller in der JG „Stadtmitte“ als Probenkeller aus und spielten bei Werkstätten und Privatpartys, auch in Saalfeld und beim Landesjugendsonntag. Irgendwann hatten sie es geschafft, zwei Auftritte in staatlichen Jugendzentren zu haben und dem damalige Clubchef vom JZ „Burgau“ der bei der Abt. Kultur beim Kombinat „Carl Zeiss“ angebunden war und daher mehr Freiheiten hatte als die bei der FDJ-Kreisleitung angebundenen Clubs besorgte der Band einen Fördervertrag vom Kombinat. Und er borgte ihnen eine Anlage, zu der auch ein 12-Kanal Mixer vom VEB „Vermona“ gehörte. Dieser hatte zwar einen Rauschpegel Windstärke 8, doch wen störte das damals. Es entstanden also die ersten Aufnahmen in der JG.
Netzinfo: [[Hinterhofproduction - Die Geschichte]] | [https://www.thueraz.de/de/archiv-und-forschung/archivbestande/G/ Archiv mit Infos zu Thomas "Kaktus" Grund im ThürAZ]
 
Nach einigen Auftritten im gesellschaftlichen Umfeld und dem Versuch, eine Einstufung vor der staatlichen Prüfungskommission zu absolvieren, bekam die Band Auftrittsverbot. Das war 1985. Was tut man mit Auftrittsverbot – man stellt einen Ausreiseantrag – und wer in den „Westen“ geht, den interessiert doch der 12-Kanal Mixer nicht mehr. Also gingen die Jungs in den Westen und der Mixer war verschwunden und blieb es auch. Ich gab mir alle Mühe, den Mixer zu finden, als der Jugendclubchef in der JG auftauchte, doch konnte ich ihm leider nicht helfen.
In der Zwischenzeit hatte ein Freund einen Kopfhörerverstärker für 6 Kopfhörer in einer Zigarrenkiste gebaut und an manchen Wochenenden wurde aus der JG „Stadtmitte“ ein Studio. Drum in einem Raum, Rest der Band ohne Amps im anderen Raum, Instrumente direkt an den Mixer.
 
Da ich als Angestellter beim Kreiskirchenamt (ich kassierte damals Kirchensteuern) den Vorteil hatte, von der Westkirche wegen meines geringen Gehalts jährlich eine Hungerbeihilfe von 400 Westmark auf das Konto meines Freundes Blase in Westberlin zu bekommen, war ich in der Lage, ein paar unerläßliche Teile wie ein Kassettendeck, einen Equalizer u.ä. zu besorgen.  Für diese Verhältnisse klangen die Aufnahmen gar nicht so schlecht. '''Airtramp''' war im Westen und die nächsten Jugendlichen tauchten auf, die eine Band gründen wollten. Die Leute hatten einen Iro, nannten sich Punks und die Band hieß '''[[Sperma Combo]]'''.  Die Musik war schräg, die Töne stimmten fast nie und die Proben waren Party.
Da ja auch andere Leute die Aufnahmen hören wollten, begann ich also, die Mastertapes zu kopieren. Im Westen war bereits die doppelte Kopiergeschwindigkeit erfunden worden, also besorgte ich mir so ein Kassettenrecorder.  Die „Normal-Kassetten“ im Osten  kosteten 20 Mark. Das war ein Haufen Kohle für Jugendliche. Doch auch der Osten hatte etwas erfunden – nämlich Bastelsets für 20 Mark. Das war eine Plastiktüte mit den Einzelteilen von 2 Kassetten. Die mußten nur noch zusammengeschraubt werden. Ich schraubte Nächtelang, mit dem Vorteil, die Kassetten mit 10 Mark Plus verkaufen zu können, um die Technik zu verbessern.  1988 trieb ich z.B. in Rostock in einem „An- und Verkauf-Laden“ einen selbstgebauten Aphex (Hochtongenerator) für 1800 Mark auf.
 
Zu Kirchentagen fuhr ich dann immer mit einem Rucksack voll Kassetten, baute irgendwo einen Stand auf und Käufer kamen reichlich und die Kassetten reichten nie.  1988 kam ich  dann  auf die Idee, Bestellzettel zu verteilen und den Leuten Nachnahmesendungen zu senden. Ach ja, die Kassettencover. Es gab einen Fotoapparat, Bandfotos, ein Fotolabor auf meinem Dachboden und Duosan Rapid (Klebstoff, der auch schon in manchen Kreisen zum Schnüffeln benutzt wurde) und weitere Nächte des beklebens von den inliegenden ORWO Pappcovern.
 
Irgendwann 1987 tauchte eine Band namens '''[[Gefahrenzone]]''' aus Saalfeld auf, die hatten ein paar Hits auf Lager und wollten diese natürlich auch auf Kassette haben.  Also einen Freitag lang aufbauen, löten, usw.usf. Irgendwann Soundcheck – klingt gut,  also geht’s morgen Früh (Samstag) los. Doch es dauerte Stunden, bis der erste Hit im Kasten war, schließlich mußte nach jedem Verspieler neu angefangen werden. Zum Schluß saß ich dann noch mal Nächte, um ein Mastertape zusammen zu schneiden.
 
Es sprach sich herum und es tauchten weitere Bands auf. Unter anderem die '''[[Die Fanatischen Frisöre|Fanatischen Frisöre]]''' aus Eisenach, '''[[Ulrike am Nagel]]''' aus Hermsdorf und '''[[Kalabatek Exzek]]''' (Tom und Reimo von [[Antitrott]] und Tatjana von der [[Die Firma|Firma]] aus Berlin). Insgesamt entstanden 22 Kassetten von 15 Bands. 1991 schenkte ich den Mixer dem Jugendclub in Cumbach.
 
Um es noch einmal mit mit anderen Worten zu sagen:  
 
Diese Band – und Kassetten Arbeit förderte in mehrdimensionaler Weise die Entwicklung der Jugendlichen sowie deren Kultur. Auf sozialer Ebene in der Frage der Identitätsbildung und in der Frage der Authentizität. Auf  physiologischer Ebene bei der Unterstützung der Lebensintensität, der Bedeutung des Körpergefühls, der Weltwahrnehmung und der kulturellen Orientierung.
Dazu kam die affektive Bedeutung im DDR – Alltag;  Begeisterung, Freude und Kompensation dieses Alltags durch die Sinn-Dimension dieser Arbeit.
 
In einer sehr kurzen Zeit entwickelte sich diese Bandarbeit, gerade durch die Herstellung und Verbreitung auf Tonträgern zu einem kulturschaffenden Faktor innerhalb der eng begrenzten und noch nicht ausdifferenzierten Szenen. Es waren sozusagen subkulturelle Antworten auf die prägenden lebensgeschichtlichen Erfahrungen der Jugendlichen. Für diese war es eine Gegenkultur gegen die von oben verordnete Kultur einschließlich der vorgeschriebenen Rollen. Im Gegensatz zu den prägenden authentischen westlichen Musikformationen der 50er und 60er Jahre entwickelten sich sehr eigenständige unterschiedliche musikalische Stile zwischen westlicher Kultur und DDR-Musikgut. Dieser „Widerstand“ gegen die verordnete Kultur war eine Widerstandsposition, die sich an Lebensstilen orientierte und nicht mehr das „revolutionäre“ Potential der Aktivisten der 70er Jahre  hatte, die DDR links zu überholen.
 
Die Texte waren nicht mehr der politische sondern ein kultureller Aufbruch gegen den Kulturverfall in der DDR und gleichzeitig die Rückzugsmöglichkeit in eine kulturelle Nische, die trotzdem durch die Konzerte und den Kassettenvertrieb den Vorteil hatte, nicht im eigenen Saft zu schmoren. Diese Arbeit hat, durch die Bereitstellung des außerinstitutionellen Freiraumes zu einer Erweiterung des lebensweltlichen Raumes vieler Jugendlicher in der begrenzten DDR geführt. Es war Überlebenshilfe und Protest zugleich.
 
Und heute:
Hinterhofproduction ist nach wie vor eine Einpersonengeschichte.
Die Filme die in der letzten 15 Jahren entstanden sind und noch entstehen werden, sind für die jeweiligen Akteure gemacht.
Hier wäre dann noch eine aktuelle Liste:


== Tape-O-Grafie ==
== Tape-O-Grafie ==
'''[[Airtramp]]'''
''Die HHP-Indexe stammen aus einem Beitrag über das Label, der in der Musikzeitschrift "NMI" Nr. 14/90 (November) veröffentlicht wurde. Ihre Verwendung ist sonst nirgends bekannt, auch auf den Tapecovern nicht. Dort gibt es lediglich Vermerke zum Erscheinungsjahr in der Schreibweise (z.B.) "HP87", die aber auch teilweise fehlerhaft sind. <br>Die u.g. Erscheinungsjahre orientieren sich, falls keine nachvollziehbare Kennzeichnung vorhanden ist, an den Aufnahme-Daten, Bandbiographien und ähnlichen Details.''
* Deutsche (1986)
* 1975: '''Pastor''' (= [[Michael Brose]]) - Songs (prä- Hinterhofproduction)
* Frühe Jahre 84-86
* 1985: '''[[Airtramp]]''' - [[Airtramp - Müslis & Instrumentals|Müslis & Instrumentals]]
* Müslis & Instrumentals
* 1986: '''[[Airtramp]]''' - [[Airtramp - Deutsche|Deutsche]]
'''[[Sperma Combo]]'''
* 1986: '''[[Antitrott]]''' - [[Antitrott - s/t|s/t]]
* Ohne Torte (1988)
* 1987: '''[[Airtramp]]''' - [[Airtramp - Die frühen Jahre 1984-86|Die frühen Jahre 1984-86]]
* Benefizkonzert (mit [[Ulrike am Nagel]], HHP007 1988)
* 1987: '''[[Gefahrenzone]]''' - [[Gefahrenzone - Die Erste|Die Erste]]
'''[[Antitrott]]'''
* 1988: '''[[Die Fanatischen Frisöre]]''' - [[Die Fanatischen Frisöre - Debütkassette|Debütkassette]] (HHP005)
* Antitrott (1986)
* 1988: '''[https://de.wikipedia.org/wiki/Karsten_Troyke Karsten Troyke]''' & '''[http://www.goetzlindenberg.de/ Götz Lindenberg]''' - Jiddische Lieder
'''[[Die Chaoten]]'''
* 1988: '''Karsten Troyke''' & '''Götz Lindenberg''' - Live Tapes and Rarities
* Die Chaoten (1989)
* 1988: '''[[Sperma Combo]]''' - [[Sperma Combo - Ohne Torte|Ohne Torte]]
'''[[Die Fanatischen Frisöre]]'''
* 1988: '''[[Sperma Combo|S-Combo]]''' / '''[[Ulrike am Nagel|U.A.N.]]''' - [[Sperma Combo / Ulrike am Nagel - Benefizkonzert|Benefizkonzert]] (HHP007)  
* Fanatische Frisöre (HHP005 1988)
* 1988: '''[[Ulrike am Nagel]]''' - [[Ulrike am Nagel - Die Schönheit selbst|Die Schönheit selbst]]
'''[[Gefahrenzone]]'''
* 1989: '''[[Die Chaoten|Chaoten]]''' / '''[[Sperma Combo|S-Combo]]''' - [[Die Chaoten / Sperma Combo - Split|Split]]
* Gefahrenzone (Saalfeld by Night) (1987)
* 1989: '''[[Gefahrenzone]]''' - [[Gefahrenzone - Dein Platz ist nicht an irgendeiner dreckigen Theke!|Dein Platz ist nicht an irgendeiner dreckigen Theke!]] (HHP010)
* Die Erste (1987)
* 1989: '''[[Gefahrenzone]]''' - [[Gefahrenzone - Saalfeld by Night|Saalfeld by Night]]
* Dein Platz ist nicht an irgendeiner dreckigen Theke (HHP010 1989)
* 1989: '''[[Gefahrenzone]]''' - [[Gefahrenzone - The last walz|The last walz]] (live)
* The last Waltz - Live (1989)
* 1989: '''[[Kalabatek Exzek]]''' - [[Kalabatek Exzek - Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt|Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt]]
'''[[Kalabatek Exzek]]'''
* 1989: '''[[Montagsband]]''' - [http://tapeattack.blogspot.com/2009/09/montagsband-jena-198889.html Montagsband 88/89]  
* Wenn ein Mensch kurze Zeit lebt (1989)
* 1989: '''[[Sperma Combo|S-Combo]]''' / '''Die Combisten''' (= [[Sperma Combo]]!) - [[Sperma Combo / Die Combisten - Split|Split]]
'''Karsten Troyke & Götz Lindenberg'''
* 1990: '''[[Airtramp]]''' - [[Airtramp - Weihnachtskonzert 25.11.1989|Weihnachtskonzert 25.11.1989]]
* Jiddische Lieder (1988)
* 1990: '''Sapienti Sat''' (West-Berlin) / '''[[Ulrike am Nagel|U.A.N.]]''' / '''[[Sperma Combo|S-Combo]]''' - ''[[Sampler - Weihnachtskonzert 25.12.1989|"Weihnachtskonzert 25.12.1989"]]'' (3-Split)
* Live Tapes and Rarities
'''[[Montagsband]]'''
* [http://tapeattack.blogspot.com/2009/09/montagsband-jena-198889.html Montagsband 88/89]  
'''[[Ulrike am Nagel]]'''
* Die Schönheit selbst (1988)
'''Weihnachtskonzert 25.12.1989'''
* Compilation mit [[Airtramp]] (Jena), Sapienti Sat (West-Berlin), [[Sperma Combo]] (Jena), [[Ulrike am Nagel]] (Hermsdorf)  
'''Werkstattserie 1990 live'''
'''Werkstattserie 1990 live'''
* Tequila
* '''[[Tequila (?)|Tequila]]'''
* Frontal
* '''[[Frontal (?)|Frontal]]''' - [https://www.discogs.com/de/release/9360727-Frontal-Frontal-In-Concert In concert]
* [[Ulrike am Nagel]]
* '''[[Ulrike am Nagel]]'''
* Mysterious Mr. Moto
* '''[[Mysterious Mr. Moto]]'''
* [[Michael Brose|Pastor]]
* '''[[Michael Brose|Pastor]]'''
* [[Rest In Pain]]
* '''[[Rest In Pain]]'''
'''Pastor''' (= [[Michael Brose]])
* Songs (1975)
 
== Filme von HP ==
* Von Einem der auszog… 1986
* Hartroda  1987
* Piss for Peace  1988
* Der Augenzeuge 1988
* [http://www.youtube.com/watch?v=_j4rHNvLMzM Jena 1988]
* Prediger in der Wüste (C.Stanescu) 1984/2004
* Auch die Ukraine lieg in Europa  1993
* Wir sind die Deutsche Jugend - Punk- 1996/97
* Wir sind die Deutsche Jugend - HipHop-  1996/97
* Wir sind die Deutsche Jugend - Darkwave - 1996/97
* Wir sind die Deutsche Jugend - Hardcore - 1996/97
* Wir sind die Deutsche Jugend - Electro/Industrial - 1996/97
* Wir sind die Deutsche Jugend - Techno - 1996/97
* Wir sind die Deutsche Jugend - Metal - 1996/97
* Who goes on a journey, sometimes don´t come back  2004
* Grind over Malaysia - [[Verge On Reason]] Tourfilm von Singapore bis Kuala Lumpur 2005
* Deine Stadt lebt – 15 Jahre Sprayerkultur in Ostdeutschland 2006
* 20 Jahre JG Stadtmitte 1970 bis 1990 2006
* Rock das Kassa – 8. Bandwettbewerb Jena  20 Clips  2006
* Musikerparty – Ein pädagogisches Konzept 2007
* Weggehen oder Hierbleiben – Ein Stück [[Airtramp]] /ZG 7/ JG Stadtmitte Geschichte mit den Akteuren von damals 2008
* Eine Deutsch-Deutsch-Französische Begegnung 2007
* Treibstoff Jenasampler 12 Clips von Nachwuchsbands 2007
* Die Jenaer Stadtmusikanten in Rambach 2007
* Reinhard Cooper Konzertfilm Neuvertonung "Das Cabinet des Dr Caligari" von 1919
* Leben und Arbeiten in Vielfalt  eine Doku von und mit Migranten aus Russland 2008
* Der Dritte Weg Verfilmung einer Theatralen Demonstration mit Zeitzeugen von 1989  2009
* Das Mehrgenerationenhaus in Pößneck  ein Imagefilm 2010
* Kinder in Armut  ein Film mit und von Kindern aus dem Jenaer Neubaugebiet Winzerla 2010
* [[Airtramp]] Reunionkonzert 2010
* Die Jenaer Stadtmusikanten live 2010
* [[Anti X|Anti-X]] live 2010
* [[Gefahrenzone]] Reunionkonzert Braunsdorf live 2010
* [[Michael Brose|Michael "Pastor" Brose]] live Braunsdorf 2010
 
dieser Text wurde ergänzt von
 
Kaktus
 
== Links ==
* [http://www.thueraz.de/bestaende/archivbestaende/vor-u-nachlaesse/details/?inventory%5Barticle%5D=12&cHash=e72df8011af00bc027fea3261d04e48c Archiv von und Infos zu Thomas "Kaktus" Grund im ThürAZ]
 


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[[Category:Labels]]
[[Category:Labels]]
[[Category:Jena]]
[[Category:Jena]]

Aktuelle Version vom 21. Januar 2026, 12:46 Uhr

Musik- und Filmproduktion in Jena, ca. 1975 bis 2010, zwischen 1985 und 1990 auch Kassetten-Label.

Der Initiator der Hinterhofproduction, Thomas Grund genannt "Kaktus" (*1953 in Jena) kam Anfang der 1970er Jahre als Mitarbeiter zur JG (= Junge Gemeinde) Jena-Stadtmitte. Neben Jugendlichen, die sich dort zum Musikhören trafen, gab es auch eine Band namens Peaceful Dead, von der 1971 ein Live-Mitschnitt angefertigt wurde. Als sich Kaktus zunächst um eine Vervielfältigung der Aufnahmen kümmern wollte, war die Band plötzlich aufgelöst, weil deren Frontmann Michael Steinhorst verhaftet und verurteilt worden war. Nach seiner Haftentlassung betätigte dieser sich unter dem Namen Pastor als Liedermacher und Aufnahmen seiner Songs gehörten zu den ersten, die Kaktus innerhalb seiner JG-Tätigkeit technisch realisierte.
Die JG gehörte zum Kreis der in Thüringen begründeten "Offenen Arbeit", einem Konzept, das Kirchen als Orte der Zusammenkunft und des Austauschs auch für nichtreligiöse, oft marginalisierte und staatlichen Repressionen ausgesetzte Personen mit alternativen Lebensentwürfen eröffnete. Wichtige Großereignisse waren z.B. die Jugendveranstaltungen "JUNE 78" und "JUNE 79" in Rudolstadt, nach denen allerdings die Aktivitäten der "Offenen Arbeit" auf Betreiben der DDR-Staatssicherheit und im Einvernehmen mit der Thüringer Kirchenleitung wieder stark eingeschränkt wurden. Im Zuge dieser Entwicklungen wurde auch Kaktus 1976 zu einer Tätigkeit als IM (= Informeller Mitarbeiter) der Stasi gedrängt, aus der er sich aber nach Dekonspiration bis 1982 mit Hilfe von Kirchenverantwortlichen wieder lösen konnte. 1981 begann er eine Ausbildung zum Jugenddiakon, von 1982 bis 1991 war er als Kirchensteuerkassierer im Kirchenkreis Jena tätig. Eine finanzielle Unterstützung, die ihm für diese Tätigkeit aus Westberlin gewährt wurde, sorgte für regelmäßige technische Verbesserungen des HP-"Studios".

Erst 1983 entstand mit Airtramp wieder eine Band intentional alternativer Jugendkultur in Jena, zu deren Unterstützung Kaktus nun von Anfang an tätig wurde. 1984 entstanden in den Räumen der JG Aufnahmen mit dem dazu von Kaktus organisierten Equipment, ab 1985 wurden deren Ergebnisse als erste Kassetten mit dem Label Hinterhofproduction in Umlauf gebracht. Als sich die vor Ort geschaffenen Möglichkeiten herumsprachen, kamen Bands und Musiker aus anderen Thüringer Städten, aber auch aus Berlin nach Jena. Die DIY-Produktion und ihr Vertrieb nahm in kurzer Zeit überregionale Dimensionen an und verschaffte der Hinterhofproduction DDR-weite Wahrnehmung. Die meisten Tapes wurden von Kaktus selbst in Jena produziert, Antitrott brachten dagegen bereits fertige Aufnahmen aus Berlin mit. Im Mai 1987 debütierte mit Gefahrenzone auch im "Parocktikum" eine der HP-Bands und erfuhr positive Hörerresonanz. Die HP-Tapes wurden per Brief-Mailorder unter die Leute gebracht, aber auch von Kaktus persönlich per "Bauchladen" auf kirchlichen Events verkauft.
Die Produktion von Kassetten wurde nach 1990 weitestgehend eingestellt, da den Bands nun andere Medien zur Verfügung standen, auch von der "Werkstattserie" ist bisher nur ein Tape belegt. Dafür wurde von Kaktus' Hinterhofproduction die Konzeption und Herstellung von Filmen unterschiedlichster Formate zum Thema Jugend(sub)kulturen ausgebaut und professionalisiert, eine Übersicht dazu (Stand 2010) ist hier nachlesbar.

Damalige Adresse: Hinterhofproduction im "Kassablanca", 6900 Jena, Villengang 2a

Netzinfo: Hinterhofproduction - Die Geschichte | Archiv mit Infos zu Thomas "Kaktus" Grund im ThürAZ

Tape-O-Grafie

Die HHP-Indexe stammen aus einem Beitrag über das Label, der in der Musikzeitschrift "NMI" Nr. 14/90 (November) veröffentlicht wurde. Ihre Verwendung ist sonst nirgends bekannt, auch auf den Tapecovern nicht. Dort gibt es lediglich Vermerke zum Erscheinungsjahr in der Schreibweise (z.B.) "HP87", die aber auch teilweise fehlerhaft sind.
Die u.g. Erscheinungsjahre orientieren sich, falls keine nachvollziehbare Kennzeichnung vorhanden ist, an den Aufnahme-Daten, Bandbiographien und ähnlichen Details.

Werkstattserie 1990 live