Kategorie:Manager*innen

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Übersicht über alle Personen im Wiki, die im engeren oder weiteren Sinne als Location-, Band- oder Event-Manager*innen tätig waren bzw. sind.

Die Spannbreite dessen, was hier als "Management" gemeint und bezeichnet wird, bezieht sich vorrangig auf den kulturhistorischen Zeitraum bis zum Ende 1989.
Engagements, die diesen Rahmen überschreiten, wie die Organisation der Schönhauser Allee 5 durch Aljoscha Rompe ab 1990 oder der Betrieb mehrerer Kulturkneipen durch Bert Papenfuß-Gorek ab 1994 ("Torpedokäfer" / "Kaffee Burger" / "Kulturspelunke Rumbalotte") sind der logischen Vollständigkeit halber ebenfalls gelistet.

Der Begriff des "Managers" war nicht nur als Anglizismus in der DDR verpönt, er war auch mit dem kapitalistischen = ausbeuterischen Wirtschaftssystem assoziiert und dementsprechend negativ besetzt. An Positionen in der Wirtschaft, wo dessen Tätigkeiten auch in der DDR notwendigerweise ausgeübt werden mussten, wurde deshalb mit alternativen Führungskategorien gearbeitet (vergleiche "Leitungskader").
Im Bereich der Kultur galt er als vollkommen falsch angebracht, denn statt Wettbewerbsgedanken war hier der staatliche Bildungs- und Unterhaltungsauftrag zielsetzend. Wichtige Bereiche des Kulturbetriebes waren zu Kontrollzwecken zentralistisch organisiert, wie z.B. die Künstlervermittlung durch die 1960 gegründete volkseigene "Konzert- und Gastspieldirektion" (KGD). Jegliche Aktivitäten außerhalb dieser Strukturen konnten jederzeit als "privatkapitalistisches" Handeln kriminalisiert werden. Zwar waren innerhalb von Musikerformationen jeglicher Größe stets "Kapellenleiter" als Ansprechpartner benannt, diese hatten aber ausschließlich für die korrekte Erfüllung der Verträge zu sorgen, ebenso wie ihre Pendants an den Veranstaltungsorten, die staatlich eingesetzten Leiter von Jugendklubs und Kulturhäusern oder die häufiger privat agierenden Betreiber von Tanzgaststätten. Die Honorare der Musiker wurden nicht verhandelt sondern waren innerhalb des Systems der "Einstufungen" republikweit festgelegt.

Dieses statische System geriet in den 60er und 70er Jahren regelmäßig an die Grenzen dessen, was man bei der Zielgruppe, also den Jugendlichen in der DDR erreichen wollte. Parallel zu den Zyklen der westlichen Jugendsubkulturen, aber auch in Abhängigkeit von der zunehmend repressiv wahrgenommenen Innenpolitik sank die kurzzeitige Akzeptanz einheimischer Kulturangebote in Form des etablierten "Ostrock" Marke Puhdys/Karat/City bis Ende der 1970er Jahre wieder rapide ab. Innerhalb der 5-Jahr-Plan-gesteuerten Investitionsmöglichkeiten wurden deshalb ab ca. 1980 in großer Zahl staatliche Jugendklubs (in obligatorischer FDJ-Trägerschaft) buchstäblich aus dem Boden gestampft, denn vor allem in den zahlreichen Platten-Neubausiedlungen wurden standardisierte Wohngebietsjugendklubs von vornherein mitgeplant.

Für die hierfür notwendigen Personalstellen standen in den 80ern nicht genug linientreue Funktionsträger zur Verfügung, statt dessen wurden sie zunehmend für Personen interessant, die sich selber verwirklichen oder auch ihre favorisierten Musikszenen supporten wollten, wobei sich beide Intentionen bisweilen perfekt ergänzten. Bereits etablierte Klubleiter sahen wiederum die Erfüllung ihres erteilten Auftrags darin, den "Laden voll zu kriegen", und orientierten sich deshalb auf zeitgemäße Sounds und Veranstaltungsformate anstatt "bunter Abende" mit integriertem politischem Bildungsauftrag. Vor den Klubtüren formierte sich eine zunehmende Welle von Nachwuchsbands, die als bereitwillig eingestufte "Volkskunstkollektive" (gemeint war damit nicht ein Musikgenre, sondern der Amateurstatus, also die Betätigung ohne akademische Ausbildung) hier auf legale Weise ein Publikum erspielen wollten. Die anachronistische Unterteilung in "Jugendtanzveranstaltungen" und Auftritte von Bands mit entsprechender "Konzertberechtigung" wurde dabei nur noch auf dem Papier vollzogen. Dieses pragmatische Geben & Nehmen funktionierte vor allem in den Metropolen wie Berlin oder Leipzig hervorragend, es bildeten sich rasch neue Netzwerke, über die interessante Bands einerseits und tolerante Jugendklubs andererseits bekannt wurden und sich gegenseitig als Empfehlung und Referenz dienten. Deren Schnittstellen wurden u.a. von Personen besetzt, die komplexe Ambitionen im Subkulturbereich hatten und oft auch die Musikerperspektive aus eigener Erfahrung kannten. Selbstverständlich wurden ihre Erfolge in erster Linie durch die kulturpolitischen Leitlinien ihrer Zeit ermöglicht, die "Managertätigkeit" an sich blieb bis zum Ende der DDR dennoch illegal.

Literatur: "'Jugendtanz' nach Plan", in: Florian Lipp "Punk und New Wave im letzten Jahrzehnt der DDR. Akteure – Konfliktfelder – musikalische Praxis" (Münster / New York 2021), S.338ff

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