Kategorie:Einstufung
Die sogenannten "Einstufungen" verkörperten den "Herrschaftsanspruch der SED" im Bereich der Unterhaltungsmusik. Seit den 1950er Jahren hatten sich zunächst die damals noch dominierenden Berufsmusiker, ab den 60ern auch Laien- bzw. Amateurmusiker regelmäßig einem Vorspiel vor einer Jury aus kulturpolitischen und berufsständischen Sachverständigen zu unterziehen. Von deren Beurteilung war dann die Erteilung einer "Spielerlaubnis" (im Musikerslang "Pappe" genannt) abhängig, ohne die man nicht öffentlich auftreten durfte. Formal wurde dieses System mit Qualitätsstandards bei öffentlichen Darbietungen und einer rechtssicheren Honorarverordnung begründet. De facto diente es aber vor allem dazu, alle Akteure (Musiker und Bands) zu registrieren und kontrollieren und somit deren Szene für die DDR-Behörden höchstmöglich transparent zu halten. Zudem konnten missliebige Musiker durch den Entzug der Spielerlaubnis reglementiert und bei Bedarf kriminalisiert bzw. zu illegaler Tätigkeit gezwungen werden. Aus diesen Gründen wurde das Einstufungs-System ab Anfang der 1980er Jahre von Teilen der stärker politisierten Punk-Szene als staatliches Repressions-Instrument für Zensur und Überwachung konsequent und vollständig abgelehnt.
Literatur: "Fördern und fordern: das Einstufungs-System", in: Florian Lipp "Punk und New Wave im letzten Jahrzehnt der DDR. Akteure – Konfliktfelder – musikalische Praxis" (Münster / New York 2021), S.58
In der Kategorie sind nicht prinzipiell alle Bands und Musiker*innen erfasst, die tatsächlich eine Einstufung durchlaufen haben bzw. mit einer offiziellen "Spielerlaubnis" aufgetreten sind. De facto trifft das für den größten Teil aller bis Ende 1989 aktiven Künstler*innen zu, wodurch die Kategorie Übersicht und Informationsgehalt verlieren würde.
Erfasst sind dagegen alle Bands und Personen, bei denen die Frage der Einstufung eine besondere Stellung innerhalb der Biographie innehatte: bei Bands, die zur Erlangung der Spielerlaubnis Kompromisse eingegangen bzw. dazu gedrängt worden sind (meistens der Wechsel oder Verzicht beanstandeter Bandnamen, wie Rosa Extra, Die Zucht, Koma Kino, Mildernde Umstände, Funeral Of Sores), Bands deren Einstufungen Gegenstand von Untersuchungen, Sabotage oder sonstiger Maßnahmen des Ministeriums für Staatssicherheit waren (z.B. bei Wutanfall, Der Demokratische Konsum, Airtramp, Gefahrenzone, Flexibel), Bands die das Einstufungssystem subversiv umgangen haben (z.B. Pffft...! oder Spontane Volkskunst), bei denen die Einstufung szene- oder auch bandintern umstritten war (z.B. Kaltfront, Cadavre Exquis oder Rosa Extra), sowie Akteure und Institutionen, die in gewissem Maße Teil des Einstufungssystems waren (wie z.B. die IG Rock Leipzig).
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